Permakultur Praktikum in Thailand

Ich, Isabel, 17 Jahre alt, komme aus der Nähe von München. Ich wohne zur Zeit auf Rak Tamachat, einer 30 Hektar großen Farm im ländlichen Nordosten Thailands, die dabei ist, ein erfolgreiches Beispiel für großflächige Permakultur zu werden.

Rak Tamachat ist thailändisch und bedeuted „Liebe das Natürliche“. Die Farm dient nicht nur zur Nahrungsmittelproduktion, sondern ist vor allem ein Ort, an welchem nachhaltige Landwirtschaft und ein natürlicher Lebensstil erlernt werden können.

Zur Auswahl stehen ein 17 Tage dauernder Permakulturkurs und ein 7 Tage dauernder Kurs in Natürlichem Bauen, die gerne miteinander kombiniert werden. Die meisten Leute, die nach Rak Tamachat kommen, träumen von einem eigenen Stück Land, welches sie permakulturell bewirtschaften wollen, oder sie haben es bereits gefunden und ihnen fehlt noch das notwendige Wissen, um ihre Ideen umzusetzen.

Ich habe erst im letzten Jahr angefangen, mich mit Landwirtschaft und Permakultur auseinanderzusetzen. Auf den Begriff Permakultur bin ich durch das Buch über die Gewinner des Alternativen Nobelpreises gestoßen, in dem von Bill Mollison, David Holmgren und deren Lebenswerk berichtet wurde. Buch von David Holmgren / Permakultur - Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen Inhalt

In seinem Buch “Permakultur – Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen”* erklärt David Holmgren die umfassenden Ethik- und Gestaltungsprinzipien der Permakultur. Dabei wird eindeutig, dass sich diese nicht nur auf Landbau und Ökologie anwenden lassen, sondern auch auf eine Vielzahl von weiteren Lebensbereichen.

Das Thema Nachhaltigkeit wird mir immer wichtiger, darüber hinaus bin ich gerne unabhängig und habe Spaß daran, so viel wie möglich selber zu machen. Permakultur erfüllt mir viele unterschiedliche Bedürfnisse und gibt mir eine neue Sicht auf das Leben und den Umgang mit der Natur. Im April habe ich deswegen in Deutschland einen Permakultur-Design-Kurs gemacht, und habe schnell festgestellt, dass es unglaublich viel zu lernen gibt und dass es mit einem Kurs nicht getan ist. Deswegen möchte ich auf so vielen Permakultur-Betrieben wie möglich mitarbeiten, um mehr praktische Erfahrung zu gewinnen. Ein Teil meiner Familie lebt in Thailand und deswegen verbringe ich öfters den Winter hier, zugegeben auch wegen des warmen Wetters und der freundlichen Menschen. Auf Rak Tamachat bin ich 6 Wochen als freiwillige Mitarbeiterin. Ich helfe im Garten und in der Küche und darf sogar noch an einigen Vorlesungen teilnehmen.

Buch von David Holmgren / Permakultur - Gestaltungsprinzipien für zukunftsfähige Lebensweisen Cover
“Catch and Store Energy” – Das zweite, von David Holmgren formulierte Permakultur-Gestaltungsprinzip fordert, Ressourcen dann zu sammeln, wenn sie reichlich vorhanden sind.

Die Farm liegt inmitten von Mais- und Zuckerrohr-Feldern, nicht weit weg von einem kleinen Dorf. Beau, der ursprünglich aus Lousiana kommt, und seine thailändische Frau Lin haben das Land vor 8 Jahren gekauft. Beau hat in seiner Kindheit viel Zeit auf der Farm seiner Großmutter in den Vereinigten Staaten verbracht und sich mit Ende 20 zurückerinnert, wie schön er es dort empfunden hat. Damals hat er zusammen mit Lin in Singapur gelebt und eine eigene Firma geführt. Sie ist in der Nähe von Rak Tamachat aufgewachsen und hat in der nächstgrößeren Stadt Landwirtschaft studiert. Ihre Eltern wohnen heute mit auf der Farm und bewirtschaften einen Großteil der Fläche mit Reis und Maisanbau. Auf Rak Tamachat kocht Lin für die Bewohner eine leckere Mischung aus der westlichen und der asiatischen Küche. Sie kennt sich gut mit den einheimischen Pflanzen aus und ergänzt sich so perfekt mit Beau, der eher auf die Entwicklung der Systeme und auf das Bauen spezialisiert ist. Er ist von Beruf Ingenieur und hat unter anderem für eine große Öl-Firma gearbeitet. Ein Teil von dem Geld, welches er damals verdient hat, investierte er in die Farm. Zum Zeitpunkt des Kaufes kannte er den Begriff Permakultur noch nicht. Er wusste aber, dass er etwas Nachhaltiges erschaffen wollte und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er während seiner Recherchen auf die Design-Prinzipien der Permakultur stieß und sich entschloss, den Ort auch als Permakulturschule zu nutzen. Er nahm an fünf Permakulturkursen teil und erarbeitete sich das Wissen durch Bücher und durch die Praxis auf der Farm.

Heute merkt man ihm seine Erfahrung und Kenntnis an, die er nicht nur während der Praxiseinheiten und Vorlesungen, sondern auch in persönlichen Gesprächen außerhalb der Kurszeiten mit anderen teilt.

Er betont dabei oft, dass er seine Entscheidungen danach fällt, wie viel freie Zeit sie für ihn schaffen. Zeit, die er mit seinen drei Söhnen verbringen möchte oder einfach nur, um ein Buch zu lesen.

Permakultur FarmerDamit der permakulturelle Teil der Farm sich weiterentwickeln kann, obwohl er Kurse gibt und drei kleine Kinder zu beschäftigen hat, hat er sich noch eine Thai-Familie mit auf das Land geholt, die dort lebt und arbeitet. Sie ist Teil der Gemeinschaft und obwohl die Sprache eine Barriere darstellt, findet ein wenig Kommunikation zwischen den Studenten und den Einheimischen statt.

Teich und HäuserWer den Eingang zur Farm findet, blickt zuerst auf die großen Teiche rechts und links von der Straße, die zum Haupthaus führt. Die Bungalows für die Gäste befinden sich in einer Reihe hinter dem linken Teich, mit Aussicht auf das Wasser. Ich erlebe während meines Aufenthalts zwei Gruppen, deren Teilnehmer alle aus ganz verschiedenen Ländern kommen. Beau sagt allerdings, dass er sich mehr Studenten aus Thailand wünscht, weil von denen bisher wenig zu sehen ist.

Die Vorlesungen finden nachmittags in einem separaten Gebaude mit White Board und Liegebänken statt, das auf dem Weg von den Bungalows zum Hauptgebäude liegt.

SeminarhausDas Hauptgebäude ist der Mittelpunkt der Farm. Hier wird gekocht, gegessen, Pool gespielt, am Master Plan gearbeitet oder einfach nur herumgehangen und geredet. Damit eine Gemeinschaft entstehen kann, muss Zeit für Gespräche und gemeinsame Aktivitäten da sein. Das ist auch ein Grund, warum der Permakultur-Kurs hier auf Rak Tamachat länger geht als die sonst üblichen 14 Tage. Die Leute haben mehr Zeit, sich auszutauschen und zu einer Gemeinschaft zusammenzuwachsen. In Thailand findet man überall Tempel, die als Zeichen religiöser Verehrung von den Einheimischen gebaut wurden. Die thailändische Kultur konnte sich nur entwickeln, weil die Menschen eine stabile Landwirtschaft hatten, in der die Leute genug Freizeit und Energie zur Verfügung hatten, um ein kulturelles Erbe zu schaffen.

Die Küche auf Rak TamachatDie Küche erscheint einem zuerst riesig, aber wenn dann einmal alle sich darin zusammenfinden, um zum Beispiel von Lin zu lernen, wie man Tofu herstellt, kann man verstehen, warum Beau sie so großzügig hat bauen lassen. Lin versucht beim Kochen, es allen Gasten recht zu machen. Bevor sie anfing, für so viele westliche Leute zu kochen, kannte sie Begriffe wie vegetarisch, vegan, gluten-frei noch nicht, da sie in der Thai-Kultur eigentlich nicht existieren. Beau hält von Veganern und Vegetariern nichts, da seiner Meinung nach nur reiche Menschen im Westen sich so eine Ernährungsform leisten können und sie nicht nachhaltig sei. Dennoch fühlen sich besonders solche Menschen von der Permakultur angezogen, weil diese Menschen sich oft Gedanken um ihre Mitlebewesen machen und auch oft an einer gesunden Ernärung ohne Pestizide und Ähnlichem interessiert sind. Deswegen ist die vegane und vegetarische Quote immer recht hoch. Ernährung ist hier sowieso oft ein Thema. Beau vertritt die Meinung, dass wir unsere Ernährungsweise verändern müssen, um nachhaltig so viele Menschen ernähren zu können. Er sagt, dass er erst als Farmer wirklich verstanden hat, was nachhaltige Ernährung ist. Wenn man sein Essen selber erzeugt, dann weiß man, was mehr und was weniger arbeits- und energieintensiv ist. Einjährige Pflanzen sind im Westen sehr beliebt. Dazu gehören Salat, Tomaten, Gurken, aber auch Weizen, Soja und Korn. Sie alle brauchen viel mehr Wasser, Energie und Arbeitskraft als mehrjährige Pflanzen. Beau empfiehlt daher eine Ernährung, die mehr Obst und Nüsse beinhaltet, weil diese Pflanzen meist weniger Energie benötigen. Trotzdem gibt es auf Rak Tamachat jene Lebensmittel fast täglich und Lin kauft auch für jeden Tag importierte Ware, wie Karotten und Kartoffeln, ein, weil sie der Meinung ist, das die westlichen Leute ohne diese Lebensmittel nicht auskommen. Ich kann von mir sagen, dass ich gut für ein paar Wochen das lokale Thai-Essen essen könnte, wie auch immer, zu Hause werde ich wieder versuchen mich regional und saisonal zu ernähren, auch wenn ich die tropischen Früchte vermissen werde.

Früchte wird es hier bald genug geben. 12.000 Baume wurden schon gepflanzt und ein Großteil davon sind Obstbäume. Im Moment heißt es warten, bis der Obstgarten Früchte trägt und er auf dem Markt einen Gewinn bringt. Der Food Forest dagegen ist zum Verzehr für die Farm-Bewohner gedacht. Die Besucher fragen Beau oft, wieso er nicht mehr Tiere auf der Farm hat, denn bis auf eine unbekannte Anzahl von Hühnern und Truthähnen, die frei herumlaufen können, gibt es keine Tiere. Beau antwortet, dass er erst genug Futter und eine Unterkunft für die Tiere auf der Farm haben muss, bevor er sie integriert, und dass davor andere Dinge Priorität haben. In ein paar Monaten möchte er sich Ziegen auf die Farm holen, die hauptsächlich die Blätter von den Ästen abziehen. Die blätterfreien Äste möchte er dann weiterverwenden.

Patrick Whitefield, Permakultur Pionier aus Großbritannien, hat mit dem Buch “Das große Handbuch Waldgarten”* eine gute Grundlage für jeden geschaffen, der im gemäßigteren Klima Mitteleuropas sein eigenes, kleines essbares Paradies pflanzen möchte. Darin beschreibt er, warum und wann ein Waldgarten sinnvoll ist, wie ein Waldgarten aufgebaut ist und wie man ihn theoretisch gestalten und planen kann, wie man diesen anlegt, die nötigen Arbeiten beim Aufbau und der Pflege, die besten Sorten und Arten und einiges mehr.

Das große Handbuch Waldgarten von Patrick WhitefieldBeau weiß, dass er das Privileg hat, sich mit der Entwicklung von Rak Tamachat Zeit zu lassen, da er nicht auf Einnahmen von der Farm angewiesen ist. Der Reis und der Mais der Farm liefert zwar ein Einkommen für seine Schwiegereltern, aber ohne seine Ersparnisse könnte er die Farm nicht behalten. Die Einnahmen durch die Kurse fließen in eine zweite Lehrkraft, Kursmateralien und die Unterkunft und Versorgung der Gaste. Er weiß deshalb auch, dass es für die Farmer um ihn herum nicht möglich ist, von heute auf morgen auf Permakultur umzusteigen. Es muss eine Übergangsform geben, die den Bauern erlaubt, langsam ihre Methoden zu ändern, ohne wirtschaftlich unterzugehen. Wenn man die Statistik in Thailand anschaut, verlassen all die jungen Leute die Farm ihrer Eltern, um in die Stadt zu gehen. Niemand möchte heute noch Landwirt werden. Der Beruf wird mit harter Arbeit und wenig Lohn verbunden. Das Berufsbild muss sich weltweit ändern, damit junge Leute Interesse daran haben, diese Arbeit zu erlernen. Rak Tamachat soll dabei helfen, den ländlichen Thai-Leuten eine andere Sicht auf ihre tägliche Arbeit zu geben.

Sorten, Standort, Mikroklima - praktisch umsetzbar
In einem Waldgarten werden verschiedene mehrjährige Sträucher und Bäume in bis zu sieben “Etagen” auf einer Fläche angebaut. Patrick Whitefield beschreibt den Nutzen der einzelnen Pflanzen und wie diese am besten gedeihen.

Besonders stolz ist Beau auf seine eigene Kreation: das Permaponic. Das Permaponic beinhaltet Elemente von der Aqua-und Hydrokultur, das wachstumsfördernde Element ist jedoch echte Erde. Das Wasser aus dem Fischteich wird in ein Becken mit Steinen gepumpt. Die Pflanzen befinden sich in speziellen Taschen, die halbhoch, je nachdem wie viel Wasser eine Pflanze benötigt, im Wasser sitzen. In ihnen befindet sich normale Erde, vermischt mit Wurmkompost. Das Wasser fließt durch das Becken und verlässt es anschließend, um die Pflanzenaufzucht zu bewässern. Ein elektronisches Messgerät stellt fest, dass immer genug Wasser im Permaponic vorhanden ist und bewirkt, dass die Pumpe vom Fischteich mehr Wasser pumpt. Je nach Bedarf können die Pflanzen auch von oben mit Wurmtee besprenkelt werden. Das Permaponic spart Wasser, Energie und es wird weniger Hummus benötigt. Die Pflanzen bekommen die Nährstoffe aus dem Fischteich und aus der Erde.

Permaponic - ein System aus einfachen MittelnBei einer reinen Hydrokultur, sind die Nährstoffe, die ins Wasser eingeführt werden müssen, teurer. Zudem bietet das Permaponic die Möglichkeit, einer speziellen Pflanze kontrolliert Nährstoffe in Form von bioverfügbaren Mineralien zuzuführen, indem man sie einfach mit in die Tasche gibt.

Gerade in der Trockenzeit ist das Permaponic eine energie- und ressourcensparende Maßnahme, um wasserbedürftige Pflanzen aufzuziehen. Um das System so nachzubauen, ist ein wenig elektronische Kenntnis notwendig. Ich, Isabel, könnte das auf Anhieb nicht bewerkstelligen. Aber ich bringe von hier sicher schon genug Ideen und Anregungen mit nach Deutschland.

Meine Zeit hier auf Rak Tamachat ging unglaublich schnell rum. Ich habe viel Neues gelernt und Menschen aus aller Welt getroffen, mit denen ich hoffentlich noch länger in Kontakt bleiben werde.

Das Leben in Thailand hat schon seinen Reiz, dennoch freue ich mich auf zu Hause. Das nasskalte Deutschland hat eben etwas anderes zu bieten. Vieles ist hier wegen der Kälte und der Bürokratie nicht möglich, aber dafür tun sich neue Möglichkeiten auf.

Ich bin gespannt, wie sich Rak Tamachat weiterentwickeln wird und wünsche seinen Bewohnern nur das Beste! Wer mehr wissen will, kann die Website besuchen: http://www.raktamachat.org/

Pepe und Mark (die Frau im Bild ganz links und der Mann ganz rechts) haben eine eigene Website Aicando.org, auf der sie unter anderem über ihre Reise per Anhalter von China nach Deutschland berichten und in der nächsten Zeit einiges an Videomaterial über die Kursinhalte auf Rak Tamachat zur Verfügung stellen wollen.

Kimberly und Laurence wollen eine Yoga Farm in Portugal aufbauen. Ich werde dort ab März 2017 mithelfen. Es werden freiwillige Hände gesucht, die Interesse daran haben, beim Anfang einer Permakulturfarm dabeizusein und ihre Fitness durch Yoga verbessern wollen.

Isabel, März 2016

Spaß bei der Ausbildung

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