Der Haettelihof

 

Der Traum vom Bauernhof

Haettelihof, Konstanz am Bodensee

Thomas Schumacher & Ute Elise Paluch

Von Streuobstwiesen und warmer Milch – eine Kindheit auf dem Land

Ich, Malchus, bin ganz im Süden Deutschlands auf dem Land aufgewachsen. Neben Milchkühen und Streuobstwiesen, auf denen sogar einmal Werbung für Apfelsaft aus Norddeutschland gedreht wurde.

Meine Nachbarn waren Bauern, viele meiner Schulkameraden wuchsen “auf dem Hof” auf.

In meiner Kindheit war es ein allabendliches Ritual, die paar Meter über die Wiese zu laufen und die noch warme Milch in Milchkannen abzuholen.

Für mich war das eine schöne Zeit, voller wilder Abenteuer im Wald und dem Sammeln von Hühnereiern im Stall. Auch hatte ich schon in jungen Jahren meinen kleinen eigenen Garten, zog Erbsen heran und pflanzte Kürbisse auf dem Komposthaufen. Und jedes Jahr im Herbst machten wir ein paar Liter Apfelsaft, aus den Äpfeln vom Nachbarn.

Den Hof meiner Kindheit gibt es so nicht mehr, schon damals wurde er nur noch im Nebenerwerb betrieben – denn mit 30 Kühen kann man kein Geld verdienen. Heute werden die Äpfel zwar immer noch verarbeitet, die Wiesen aber sind an andere Landwirte verpachtet. Ein paar Kühe stehen noch auf den Wiesen, aber mehr als Hobby und der Gewohnheit wegen, nicht weil sie einen Ertrag bringen würden.

Doch die Art des Lebens nah an der Natur, im Rhythmus mit den Jahreszeiten, zusammen mit Tieren und zu wissen, wo die eigenen Lebensmitteln herkommen und sie dadurch mehr schätzen zu können, das hat mich schon immer fasziniert.

Der erste eigene Garten

Nachdem ich mit 18 meinen ersten “richtigen” eigenen Garten hatte, fing ich an, mich intensiv mit dem Anbau von Pflanzen zu beschäftigen. Ich stand nämlich vor einem Problem: mein “Garten” bestand fast nur aus Steinen, organische Masse war wahrlich in der Unterzahl. Umgraben war unmöglich. Selbst mit dem Pickel kam ich nicht weit. Ich suchte also nach anderen Lösungen und dachte mir: wie haben die Menschen das wohl nur in all diesen unwirtlichen Gegenden auf der Welt gemacht, irgendwie müssen sie ja Landwirtschaft betrieben haben? Wie also funktioniert Landwirtschaft, wenn das aktuell präsente Wissen uns nicht mehr weiterführt?

Nach den sieben Jahren, die seitdem vergangen sind, treibt mich diese Frage immer noch um. Es haben sich aber noch viele weitere Fragen dazu gesellt. Was, wenn das Erdöl knapp wird und wir unsere Felder nicht mehr so günstig bestellen können?

Wie hoch wären die Preise für Lebensmittel, wenn wir den wahren Preis zahlen würden – und nicht den, der durch Subventionen, Förder- und Ausgleichszahlungen zustandekommt? Und was hätte mein Nachbar damals anders machen müssen, damit sein Hof heute noch existieren könnte?

Alternativen in der Landwirtschaft

Ich beschäftigte mich mit Alternativen und fand spannende Landwirte wie Joel Salatin mit seinen mobilen Hühnerställen, einer Vermarktung über solidarische Landwirtschaft und einer eigenen Schlachtung. Oder den umstrittenen Sepp Holzer, der mit seinen Kursen und besonderen Anbaumethoden immer wieder in den Medien ist. Von Tomatenbauern, deren 45€ teure Führungen schon Monate im voraus ausgebucht sind. Und ehemaligen Bank-Direktoren als Quereinsteigern in der Landwirtschaft. Und das sind nur einige spannende Beispiele, die ich entdeckte. Es gibt noch so viel mehr – und so viel zu erfahren. Doch das erfahre ich nicht, indem ich mir deren Webseiten durchlese, oder zweiseitige Artikel in Zeitschriften oder Magazinen. Das erfahre ich nur dann, wenn ich in einem persönlichen Gespräch meine eigenen Fragen stellen kann. Und auch mit meinen eigenen Augen sehen kann, wie Landwirtschaft heute real aussieht.

Denn ich möchte mehr wissen, als einen kurzen Anriss. Ich möchte eintauchen. Und von Fehlern anderer lernen. Und das, was ich dabei erfahre, teilen. Ganz egal, ob ich selbst einmal Landwirt werden möchte. Ich weiß auch, dass ich, wie die meisten Menschen, ein falsches Bild von der Arbeit der Landwirte habe. Dass ich Lebensmittel und die Erzeuger viel zu wenig schätze, und Demeter Möhren für 3€ pro Kilo als unverschämt teuer empfand – was sich nach einem Praktikum auf einem Betrieb sehr schnell änderte!

Ich möchte einen Einblick gewähren, in eine Welt, die möglich ist. So wie es auch Rebecca Hosking mit ihrem Film “Farms for the Future” getan hat – und dabei Tausende Menschen inspiriert und ermutigt hat, als Schritt auf ihrer eigenen Reise.

Die industrielle Landwirtschaft

Denn wir von “Yes! We Can Farm” glauben nicht, dass Landwirtschaft, wie sie heute größtenteils praktiziert wird, weiter so funktionieren wird. Laut der Organisation “Save Our Soils” gehen jedes Jahr 10 Millionen Hektar Ackerland (oder ca 1% des weltweiten Mutterbodens) durch Bodenerosion verloren. Die “U.S. Environmental Protection Agency” sagt, dass die industrielle Landwirtschaft für über 70% der verunreinigten Wässer in den USA verantwortlich ist. In der Schweiz starben im Jahr 2012 knapp die Hälfte aller Bienenvölker, sehr wahrscheinlich ist dies auf den massiven Gebrauch von Pestiziden zurückzuführen. Doch es ist nicht nur ein Problem der Landwirte, sondern auch ein Verhalten von Konsumenten und dem Handel, der unglaubliche Auswüchse hat – im selben Jahr wurden auch 29.722 Tonnen Äpfel aus Neuseeland nach Deutschland importiert.

All diese Probleme müssten nicht so auftreten, denn es gibt andere, nachhaltigere Wege, mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir von “Yes! We Can Farm” sind auf der Suche danach!

Yes! We Can Farm

Yes! We Can Farm möchte Mut machen, neue Wege aufzeigen, begleiten, forschen und wert schätzen. Indem wir innovative, nachhaltige und zukunftsweisende Landwirtschaft in den Fokus stellen, helfen wir dabei, Landwirtschaft zu fördern und nachhaltiges wirtschaften in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu stellen.

Den Haettelihof kenne ich, Malchus, schon lange. Er ist für mich ein offener Ort, der die Menschen einlädt, sich selbst ein Bild von den Menschen zu machen, die ihre Lebensmittel produzieren. Der Kindern die Möglichkeit bietet, ein solches Umfeld spielerisch kennenzulernen und so natürlich aufzuwachsen, wie ich. Gerade in der Stadt ist ein solcher Ort besonders notwendig. Durch diese persönliche Bekanntschaft bot sich die Gelegenheit, ihn für unser Projekt als Sprungbrett zu nehmen. Denn da Landwirtschaft viel Arbeit bedeutet, haben die meisten Höfe kaum Zeit für solche “unproduktiven” Tätigkeiten wie ein mehrstündiges Interview.

Der Haettelihof

Wer neu in die Landwirtschaft einsteigen möchte, hat im Prinzip drei Optionen: einheiraten, kaufen – oder neu gründen. In Zeiten, in denen die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um mehrere Tausend pro Jahr sinkt, ein mutiges Unterfangen. Thomas Schumacher und Ute Elise Paluch haben es gewagt. Und sie würden es wieder tun.

Schon mit 15 Jahren wollte Thomas Landwirt werden. Doch ganz zufällig ist das auch nicht gekommen. Thomas stammt aus einer ostfriesischen Bauernfamilie, und auch wenn seine Eltern selbst keinen Hof hatten, so hatten doch alle 9 Geschwister seines Vaters Höfe, die Landwirtschaft umgab ihn während seiner Kindheit. Er machte eine Ausbildung zum Landwirt, danach Zivildienst in der Landwirtschaft und begann dann Landwirtschaft zu studieren. Doch merkte er schnell, dass ihm dieses Studium nicht zusagte. Die Praxis war ihm zu weit weg. Dennoch studierte er weiter, ein anders Fach, was ihn auch interessierte. Das Resultat: Diplom-Psychologe mit dem Schwerpunkt Marktwirtschaft und Kommunikationspsychologie. Und natürlich Landwirt, von der Ausbildung her. Diese Kombination führte ihn dazu, dass er neun Jahre lang für das Landwirtschaftsministerium arbeitete, in einem Projekt namens “Modellprojekt Konstanz”.

Doch so viel Politik und Verwaltung machte ihn nicht glücklich, er wollte raus.

Sein Wunsch danach, endlich praktisch zu arbeiten und das zu tun, wovon er träumte, wurde wieder stärker. Er entschied sich, einen Hof zu gründen. Einfach mal so, zurück zu den Wurzeln. Sehr naiv, sagt er im Rückblick. Doch wie macht man das eigentlich, so ohne alles?

Keine Tiere, kein Land, keinen Hof?

Haettelihof-Konstanz-Schumacher-Paluch
Thomas Schumacher und Ute Elise Paluch vor ihrem Wohnhaus

Auf der Suche nach einem geeigneten Ort

Zuerst einmal suchten er und seine Frau im Schwarzwald, ob es einen geeigneten Hof gäbe. Angebote im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb gab es genügend, dort stehen viele Höfe leer, bei denen die Menschen froh sind, wenn sie bewirtschaftet werden. Doch sie wollten gerne in Konstanz bleiben, nah an der Stadt, aber erstmal ergab sich dort nichts.
Es ging nur langsam voran.

Doch irgendwann fügte sich alles: das Grünland, oft Feuchtwiesen, die schwer mit Maschinen zu pflegen sind, wollte damals keiner haben, so bekamen sie es von der Stadt, von Kollegen und anderen Landbesitzern. Einen Traktor konnten sie ab und an von einem Kollegen ausleihen, den ersten Zaun bezahlte das Regierungspräsidium als Naturschutzmaßnahme.

Lean-Startup : erst die Kunden, dann die Kühe

Fehlte immer noch eines: die Kühe.

Die Tiere finanzierten sie über ein damals noch sehr neues Modell: in der Zeitung suchten sie nach “Kuhpaten” – Menschen,  ihre ersten Kunden – die ein Darlehen gaben und so lange ein einen Nachlass auf ihren Fleischpreis bekamen, bis das Darlehen dadurch zurückbezahlt war.

Aus anfänglich 18 Kunden sind es mittlerweile 220 geworden. Sie unternahmen einen Versuch der Vermarktung an Gastronomen, diese wollten aber nur die edlen Teile und natürlich zu günstigeren Preisen als die Endkunden. Er hatte auch eine Großküche als Kunden, aber die Bestellmengen waren zu schwankend und unkalkulierbar. Thomas Schumacher sagt, dass sie es nicht mehr machen. Warum auch, wenn die Direktvermarktung viel lohnenswerter ist? Jetzt haben sie nur noch Privatkunden.

Sie experimentierten auch mit einem Lieferservice, aber auch der rentierte sich nicht. Zu lange Wege, zu kleine Mengen. Jetzt können die Kunden vorbeikommen und abholen, denn die Ware lagert vor Ort – egal ob 2kg oder 20kg.

Der Vertrieb läuft ganz einfach und altmodisch: die Kunden bestellen über E-Mail, Telefon oder direkt vor der Tür.

Denn auf so einem Hof ist ja auch fast immer jemand anwesend. Einer der Vorteile eines fast 24/7 Berufes. Der intensive Kontakt mit ihren Kunden ist ihnen wichtig.

Hinterwälder Kühe auf einer Wiese mit Stadtgebäuden im Hintergrund
Die Hinterwälder „relaxen“ auf der Wiese – im Hintergrund die Stadt Konstanz

Der Vertrieb heute

Heute läuft es so, dass ihre Kunden vor der Schlachtung informiert werden, sie bestellen im voraus und so kann optimal nach Bedarf geplant werden – und auch nach produziert. Denn natürlich ist Fleisch auch Jahreszeitenabhängig. Im Sommer Würstchen für den Grill, im Winter Braten und Rouladen. Für alles, was übrig bleibt, haben sie Großfamilien, die ihnen treu alles abnehmen.

Der Hof wird nach Demeter Richtlinien biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Ein kurzer Auszug aus den demeter Richtlinien „Die uns anvertrauten Tiere begreifen wir als Mitgeschöpfe und achten ihre Integrität. Wir ermöglichen eine ihrem Wesen gemäße Entwicklung, halten, füttern, pflegen, nutzen und züchten sie entsprechend und treten ihnen mit Respekt entgegen.“ Der Grundsatz lautet: “Nicht die Tiere werden an das Haltungssystem angepasst, sondern das System an die Erfordernisse der Tiere. Auch wenn das in der Praxis aufwendig ist und natürlich mehr kostet, bedeutet Tierwohl für uns, Schritt für Schritt auf dieses Ideal hinzuarbeiten.”

Auf den ersten Blick ist alles ganz normal

Mittlerweile hat der Betrieb über 60 Hektar Grünland, 60 Kühe, 15 Hühner und 3 Ziegen.

Die Stadtnähe hat nicht nur im Vertrieb Vorteile, denn der Verkauf von Fleisch ist ja nur eines der Standbeine des Betriebes.

Es ergibt sich eine natürliche Nähe der Menschen zum Betrieb, er ist nicht weit abgelegen vom Alltag. Viele Studenten laufen über das Hofgelände und an den Weiden und Obstwiesen vorbei, es ist eine Abkürzung zur Hochschule.

Seit mehreren Jahren kooperieren sie mit dem BUND in einer Apfelsaft Initiative. Auf ihrem Land stehen über 300 Obstbäume, jedes Jahr pflanzen sie mehrere Dutzend neu. Das Obst wird gemeinsam geerntet – der Saft nachher aufgeteilt. Für Thomas Schumacher ist das eine Abwechslung im Betrieb und eine weitere Einkommensquelle. Es ist auch ein weiteres erlebbares Produkt für ihre Kunden, welches für die Kunden eine Verbindung vom Anbau zum Lebensmittel herstellt und ihre Arbeit sichtbar macht. Denn die Obstbäume stehen ja direkt vor der Haustür, und viele Menschen gehen täglich direkt an ihnen vorbei. Doch frustriert sie oft das Verhalten der Konsumenten: dass zwischen dem Aussehen der Landschaft und dem Tetrapack Apfelsaft aus dem Discounter eine Verbindung besteht, ist vielen nicht bewusst.

Diese Verteilung auf verschiedene Einkommensquellen ist gerade für so einen kleinen Betrieb typisch und überlebenswichtig. Eine schlechte Apfelernte bringt sie dadurch in keine große finanziellen Schwierigkeiten.

Doch auch wenn die Lage viele Vorteile hat, so ergeben sich auch manchmal Nachteile. So kam es schon mal vor, dass ein besorgter Bürger beim Veterinäramt anrief und erzählte, dass die Tiere knietief im Matsch ständen – woraufhin Thomas einen Besuch vom Veterinär bekam. Das Ergebnis: der Veterinär regte sich über die Unverschämheit des Bürgers auf und nicht über die Zustände in seinem Stall.

Und auch wenn wieder einmal ein Bericht über Massentierhaltung im Fernsehen läuft, sind sie für viele Menschen die erste Anlaufstelle.

Thomas Schumacher sieht ihre Aufgabe auch in der Aufklärung. Der Stall steht offen, die Menschen können sich den Betrieb ansehen. Das führt zu einer offenen Kommunikation, aber manchmal auch zu Komplikationen mit Menschen, die eben wenig Ahnung von Landwirtschaft haben. Auch weil der  Moment der Aufklärung nicht gerade dann passend kommt, wenn etwas anderes für den Landwirt ansteht. Aber der besorgte Bürger ist eben gerade dann besorgt.

Hinterwälder Rinder im Offenstall
Freie Bewegung der Tiere im Offenstall

Von den Aufgaben der Landwirtschaft

Kulturpflege ist für sie ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Neben den Rindern gibt es auf dem Haettelihof auch, wie er es formuliert, “ein paar Hühner und ein paar Ziegen”. Wer jetzt an ganz normale Hühner und Ziegen denkt, der liegt falsch – denn auf dem Haettelihof ist vieles nur auf den ersten Blick scheinbar “normal”.

Die Ziegen sind Girgentana Ziegen, eine fast ausgestorbene Rasse. So gab es im Jahr 1996 weltweit nur noch ungefähr 50 reinrassige Tiere. Durch die Nachzüchtung ist der Bestand mittlerweile wieder auf knapp 1000 Tiere gestiegen. Es ist eine anspruchslose, widerstandsfähige Rasse, die jedoch von Hochleistungstieren verdrängt worden ist.

Sie haben ein besonderes, eindrucksvolles Aussehen, bei welchem am meisten die langen, gedrehten Hörner ins Auge fallen. Sie können bis zu 80cm lang werden!

Doch auch wenn die Tiere sehr robust sind, so kommen sie ursprünglich aus kargeren und trockeneren Gegenden. Sie fühlen sich in den Feuchtwiesen rund um den Bodensee nicht wohl, verfangen sich mit ihren Hörnern in den Elektrozäunen und auch die Kindergartengruppen fühlen sich durch die massiven Hörner bedroht. Manche Dinge kann man eben erst im nachhinein wirklich wissen. Darum wird Thomas Schumacher sie wohl ersetzen – durch eine andere, auch vom Aussterben bedrohte Rasse. Denn auch wenn die aussterbenden Rassen direkt keinen finanziellen Ertrag bringen, so liegt ihnen diese Arbeit merkbar am Herzen. Und die Tiere prägen das Erscheinungsbild des Hofes besonders und sind wichtig für den Hof als Lernort. Thomas und Ute Elise sind eben Landwirte durch und durch!

Direkt neben dem Wohnhaus steht das kleine, selbst gebaute Hühnermobil. Fast kitschig ist es  eingerichtet, vor den Nistkästen hängen Gardinen – die Hühner sind eben mehr ein Hobby, aber sie gehören auch zu einem richtigen “Bauernhof” dazu. Die vierzehn “Tiroler Haubenhühner” sind nicht für die Produktion da und werden auch nicht künstlich beleuchtet (was auch in Bio und Demeter Betrieben normalweise der Fall ist). Denn diese Hühner sind Teil eines Rückzüchtungsprogrammes- drum piept es auch fleissig im mobilen Hühnerstall, die neuen Küken sind gerade ein paar Tage alt. Das echte Tiroler Haubenhuhn ist schon vor über 100 Jahren ausgestorben. Sie ziehen die Küken auf, um sie danach an einen anderen Betrieb weiterzugeben. Sie haben genug Hühner für sich selbst, die insgesamt acht bis zwölf Eier pro Tag legen. Ein kleiner Beitrag zum Frühstück, als Dank für die Zuchtarbeit.

Vom Alltag in der Landwirtschaft

Wer an einen Bauernhof denkt, der denkt zumeist an Landbau und Tierhaltung. Und so sagt es Thomas Schumacher, “auf den ersten Blick sieht bei uns alles ganz normal aus”.

Es gibt Kühe, “Hinterwälder”, die kleinste Rinderrasse Europas. Gut geeignet für die feuchten Wiesen am Bodensee, sehr robust und gute Muttereigenschaften. Sie dienen vornehmlich der Landschaftspflege und erledigen komplizierte Arbeiten auf ihre Art und Weise.

Für die meisten ist er wohl nur der Thomas mit den Kühen, die eben alle halbe Jahr mal ausbrechen und die Stadt unsicher machen.

Doch es gibt auf dem Haettelihof noch viel mehr. Nicht nur die Kühe, die zwei Handvoll Ziegen und Hühner und den Apfelsaft.

Das, was den Hof auch sehr besonders macht, ist eine Ausrichtung im pädagogischen Bereich. Ein “Lernbauernhof” sozusagen – aber sehr intensiv. Denn allein über 120 Termine mit Schulklassen finden jedes Jahr statt. Zusätzlich noch Aktivitäten mit Kindergärten, Gruppen mit psychisch Kranken und auch Nachmittags Angebote für kleinere Kinder im Kindergarten und Vorschulalter für den privaten Bereich. Und auch private Kindergeburtstage können auf dem Hof stattfinden, in Kooperation mit Partnern. Mit den Gruppen werden die Tiere versorgt und “Lern” Gemüsebeete angelegt. Die Natur wird erforscht und der Lebensmittelkreislauf, vom Acker auf den Teller und wieder zurück, näher gebracht. Es ist eine Möglichkeit, dem näher zu kommen, was vielen Menschen in der Stadt fehlt: ein Zugang zu einem Alltag mit einem natürlichen Rhythmus.

Es erstaunt, dass ein guter Teil der Aktivität des Betriebes nicht im Verkauf von Lebensmitteln stattfindet, sondern im Bereich der Dienstleistungen – eine Notwendigkeit um den Betrieb zu finanzieren, aber auch eine Abwechslung.

So wird auch der Umgang mit den Tieren kreativ und so viele Ressourcen wie möglich werden genutzt. Eine Kuh mit Kalb geht im Sommer in den Schaubauernhof auf der Insel Mainau.

Für Thomas Schumacher reicht das noch nicht, er braucht immer neue Herausforderungen. Er bietet auch noch Beratung für Landwirte an, die neu anfangen und auch für andere Unternehmen in der Bio-Branche.

Für die Stadt Konstanz und andere Auftraggeber erledigt er diverse Holzfällarbeiten, er hat die Maschinen zur Hand und kann diese schnell und einfach erledigen.

Regelmässig gibt es auch Hofführungen und Vorträge rund um die biologische Landwirtschaft, insbesondere auch zu dem Verband dem er angehört: Demeter.

Wie kann das alles gehen, frage ich mich – besteht das Team doch nur aus Thomas Schumacher, seiner Frau Ute Elise und einem Praktikanten. Was Thomas Schumacher durchblicken lässt, ist eindeutig: es ist sehr, sehr viel Arbeit. Im Sommer arbeiten sie sechseinhalb Tage. Er braucht wenig Schlaf, sagt er. Darum steht er morgens um fünf Uhr auf und fängt den Tag im Büro an. Und um zwölf Uhr abends geht er dann ins Bett. Ein Landwirt-Arbeitstag eben. Doch betont er auch, dass dies eine individuelle Sache. Er sei “nicht so der Held im Arbeit verteilen”.

Der Hof ist nicht genug

Eher sucht er sich noch neue Arbeit. Denn anscheinend ist der eigene Hof nicht genug. Obwohl er mit dem laufenden Betrieb schon so viel zu tun hat, stürzt er sich noch in neue Projekte um die biologische und ethische Tierhaltung – und alles was damit zusammenhängt – voranzubringen. Wörter wie “Salamiprojekt” und “Hofschlachtung” fallen auch in unserem Gespräch. Thomas ist ein Visionär, der dennoch Realist ist. Der immer mehr wagt. Und der seinen Beruf als Geschenk sieht.

Von EU-Bio zu Demeter

Dass der Betrieb biologisch bewirtschaftet wird, war für Thomas Schumacher und seine Frau von Anfang an klar. Doch mehr war für ihn damals noch nicht nötig, auch nicht für seine Kunden. Für die war wichtig, was und wie sie es machten – das Vertrauen war da, ein Siegel nicht nötig. Sie kannten die beiden und ihre Kühe. Wie es eben sein soll.

Doch mit der Zeit merkten sie, dass es gut tut etwas über den eigenen Tellerrand aktiv zu sein.

Sie entschieden sich für den Demeter Verband.

Für manche ist Demeter der verrückte Verband, der bei Vollmond Kühhörner vergräbt und komische Zaubertränke mischt. Für andere ist es die höchste Qualitätsstufe. Für die beiden bedeutet der biologische Anbau nicht nur, einfach unnatürliche Spritzmittel wegzulassen. Es bedeutet für sie einen ganzheitlicheren Ansatz, und mit diesem Wunsch fühlten sie sich am besten bei Demeter aufgehoben. Und auch wenn manch ein Ansatz für Thomas Schumacher, aus der konventionellen Landwirtschaft kommend, eine Herausforderung sei, so ist seine Erfahrung die, dass es funktioniert – auch wenn er nicht immer sagen kann warum. Und für die Weiterbildung und Beschäftigung in diesem Bereich ist der Verband eine Hilfe. Doch auch die Funktion, sich stärker positionieren zu können und in der Politik und Vermarktung nicht immer allein dazustehen, ist viel wert.

Denn gerade am Anfang war es nicht einfach für ihn. Der Kontakt mit anderen Betrieben gestaltete sich erstmal schwierig, er als zugezogener Landwirt – dann auch noch Bio – wurde erst einmal lange Zeit kritisch beäugt. Mittlerweile hat sich dies geändert, auch durch den Anschluss zum Demeter Verband. Landwirtschaftliche Maschinen werden miteinander geteilt und bei Engpässen wird einander geholfen.

Die Schönheit der Streubobstwiesen

“Als Landwirtschaft wird der Wirtschaftsbereich der Urproduktion bezeichnet. Das Ziel der Urproduktion ist die zielgerichtete Herstellung pflanzlicher oder tierischer Erzeugnisse auf einer zu diesem Zweck bewirtschafteten Fläche.” (Quelle: Wikipedia)

Auch wenn dies eine Definition von Landwirtschaft ist, so sollte der Nutzen und die Tätigkeit eines Landwirtes um ein Vielfaches darüber hinausgehen. Das bedeutet auch, dass unser Konsumverhalten einen Einfluss darauf hat, wie unsere Landschaft aussieht. Kaufen wir Apfelsaft der aus Obst von Streuobstwiesen hergestellt wird, so unterstützen wir diese traditionelle Bewirtschaftung, die vielen Tieren und Pflanzen Lebensraum bietet und für die Obstbäume einen gesünderen und natürlicheren Wachstumsraum darstellt. Kaufen wir Apfelsaft beim Discounter, hergestellt aus Äpfeln die in riesigen Monokulturen in Russland angebaut werden, ist es diese Landschaft die wir unterstützen, mit all ihren Folgen.

Die Aufklärung über diese Zusammenhänge und die Arbeit als “Landschaftspfleger” ist für Thomas Schumacher auch ein wichtiger Bestandteil seiner täglichen Arbeit.

Es bedarf einer Beschäftigung mit dem was er täglich tut. Wann wird das Heu eingebracht? Auf dem Haettelihof wird nur zweimal im Jahr geschnitten, der erste Schnitt nicht vor Juni. Nur so haben die Wiesenblumen genügend Zeit sich auszusäen. Hier sieht er den Hof auch schon in einer guten Richtung. Neben der Erhaltung der aussterbenden Tierrassen widmet sich der Betrieb auch anderweitig der biologischen Vielfalt. Eine 1000m² große Bienenweide bietet Platz für viele Pflanzen und Insekten. Dies geht jedoch nur mit finanzieller Unterstützung, denn einen Ertrag durch ein Produkt, welches sich verkaufen ließe, bietet diese nicht.

Seine Kühe sind auch “Landschaftspfleger”, sie können die Feuchtwiesen kurz halten, essen auch das Schilf, entfernen die Hecken und können an für Maschinen unzulänglichen Stellen abgrasen. Anderswo stehen Kühe ganztätig im Stall und verbrauchen Energie. Hier stellen sie, neben der Produktion von Fleisch, noch einen weiteren Nutzen dar.

Von neuem und altem

Der Blick zurück: Finanzen & Planung

Thomas Schumacher sieht den Betrieb auf einem guten Weg. Und auch wenn sie im Rückblick vieles anders machen würden, sagt er, dass sie es wieder machen würden. Sie sind froh, ihre Erkenntnisse jetzt an andere weitergeben zu können, damit diese nicht die gleichen Fehler machen müssen.

Denn der Plan vor zehn Jahren war, im ersten Jahr das Wohnhaus und den Stall zu bauen, im folgenden Jahr dann die Heuhalle und im übernächsten das Seminargebäude mit den Ferienwohnungen. Heute steht das Wohnhaus und der Stall, die anderen Gebäude gibt es nicht. Die eigene Kraft und Energie reicht nicht mehr und auch der nicht nach Plan laufende Finanzplan machte einen Strich durch die Rechnung. Immerhin haben sie in 10 Jahren einen Betrieb dahingebracht, wo andere nach einer ganzen Generation stehen. Die finanzielle Belastung drückt dennoch merklich und macht Neubauten momentan nicht möglich. Er empfiehlt aus eigener Erfahrung mit den Ressourcen realistischer umzugehen und sich dabei auch professionell beraten zu lassen. Denn Zeit, Kraft und Geld sind sehr begrenzt und sollte von daher möglichst effizient eingesetzt und geplant werden. Und auch, nichts zu überstürzen und zu wissen, dass so ein Projekt viel Zeit braucht. So schön die Träume auch sind, so belastend werden sie, wenn man sich zu sehr übernimmt. Es wirkt sich auf die Gesundheit und das eigene Wohlbefinden aus, wenn man einen solchen Betrieb in dieser kurzen Zeit aufbaut. 2015 hat er den ersten Urlaub seit zehn Jahren gemacht. Mit einem Augenzwinkern sagt er, dass wer immer nur arbeitet, keine Zeit zum Geld verdienen und zur Erholung habe – und das beides nicht zu haben, sei ja schon blöd. Mehr Urlaub zu machen ist daher auch eines seiner Ziele für die Zukunft.

Der Blick nach vorne

Der möglichst würdevolle Umgang mit der Schlachtung

Dem stehen jedoch seine weiteren Pläne etwas im Weg. Nicht nur, dass ja schon irgendwann die Heuhalle und das Seminarhaus mit den Ferienwohnungen entstehen und Geld einbringen sollen. Regelmassig trifft er sich mit der Regionalgruppe des Demeter Verbandes zum Austausch. Aber nicht für Kaffee und Kuchen, wie es eigentlich mal sinnvoll wäre. Nein, sie tüfteln an Problemen und gründen weitere Firmen um gemeinsam besser wirtschaften und vermarkten zu können. Er erzählt von ihrem momentanen Projekt.

Als Demeter Produzenten haben die Kunden große Erwartungen an ihren Umgang mit den Tieren und dem Land. Dennoch müssen auch sie sich stark nach der Wirtschaftlichkeit richten, was meist auf Kosten der Tiere und des Landes geht. Dem möchten sie entgegentreten.

Wenn eine Kuh Milch geben soll, dann muss sie jedes Jahr ein Kalb bekommen. Die Rassen sind jedoch auf Milchleistung gezüchtet, was also kann der Landwirt mit einem männlichen Kalb machen, welches kein Fleisch ansetzen wird? Er verkauft es möglichst bald (nach Demeter Richtlinien frühestens nach 14 Tagen). Und macht selbst damit noch ein Minusgeschäft – denn die Fütterungskosten in dieser Zeit sind höher als der Verkaufspreis. Doch damit ist für den Landwirt das Problem noch nicht erledigt, denn wer nach Demeter Richtlinien arbeitet, der denkt weiter als nur an seinen Profit.

Seit den BSE Skandalen ist jede Kuh registriert und ihr Weg lässt sich nachvollziehen. Dadurch konnten die Landwirte sehen, dass ihre verkauften Kälber in den Wochen danach mehrere Stationen durchliefen und teilweise später in Spanien in konventionellen Mastanlagen endeten. Für Thomas Schumacher und die anderen Demeter Landwirte kein akzeptabler Zustand, nur damit sie hier in Deutschland ihre Milch verkaufen können.

Es ist aber nicht das einzige Problem: nach acht oder zehn Jahren lässt die Leistung einer Kuh bedeutend nach, wirtschaftlich gesehen lohnt sich die Haltung nicht mehr. Doch für eine solche Kuh bekommt man vom Schlachter kaum mehr Geld, das Fleisch hat keine sehr hohe Qualität mehr. Zu Hackfleisch würde sie sich jedoch noch verarbeiten lassen, aber um dann immer noch einen guten Preis zu erzielen, reicht es nicht, sie einfach an einen Schlachter zu verkaufen. Ein einzelner Landwirt allein kann nicht viel ausrichten. Im Verband und in Regionalgruppen reicht die Produktion für eine sinnvolle eigene Vermarktung aber aus. In Kooperation mit einem lokalen Betrieb, der einen Fleischverarbeitungsraum hat und einem lokal ansässigen Großhandel für Naturkost, hat das ganze realistische Chancen. Und es wäre ein weiterer Schritt zu einer Kreislaufwirtschaft.

Das Projekt hat auch noch einen weiteren Aspekt: die Schlachtung. Seine Tiere sind fast das ganze Jahr draußen, der Stall ist offen, die Tiere sind immer der Natur und dem Wetter ausgesetzt, sie sind es gewöhnt. Die Kälber werden ein ganzes Jahr gesäugt. Doch am Tag der Schlachtung müssen sie zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Anhänger gefahren werden. Im Schlachthof riechen sie das Blut und sind in geschlossenen Räumen, sie haben Angst und Stress. Das wirkt sich auch auf die Fleischqualität aus. Die Schlachtung ist vom ganzen anderen Betrieb weit entfernt.

Es gibt eine Alternative: die Hofschlachtung. Früher war das ganz normal, heute wird es nicht mehr gerne gesehen. Erlaubt ist es unter Umständen, eine Genehmigung kann erteilt werden, das Verfahren ist jedoch mit einem höheren Aufwand verbunden, denn der Veterinär müsste dann extra zum Schlachtort fahren. Der Preis wäre zwangsläufig höher, doch die Tiere hätten keinen Stress, sie würden erst nach dem Ausbluten zum Schlachthof transportiert. Modellversuche finden in Schleswig-Holstein statt. Und auch die Kunden könnten, nach entsprechendem Vorbereitungsgespräch, bei einer Schlachtung dabei sein.

Weitere Zukunftsthemen

Auf dem eigenen Betrieb steht für sie als nächstes die Beschäftigung mit dem Thema Mist an. Für die nächsten Jahre haben sie sich vorgenommen, sich damit zu beschäftigen, was mit dem produzierten Mist geschieht. Momentan wird er abgelagert und im Herbst ausgestreut. Bisher waren sie mit dem allgemeinen Aufbau des Betriebes und der Vermarktung zu sehr beschäftigt.

Auch das Thema Energie beschäftigt sie. So ein Betrieb verbraucht eine Menge an Energie, die eigentlich auch vom Betrieb selbst bereitgestellt werden könnte. Einer seiner Kollegen eine kleine Biogasanlage, nur mit Gülle betrieben, die genug Energie für den gesamten Bedarf des Betriebes produziert und zusätzlich die Ferienwohnungen heizt. Selbst dann produziert sie immer noch einen Überschuss, den er verkaufen kann.

Thomas träumt von einer kleinen Biogasanlage, die auch auf seinem Betrieb das leisten würde, aber Fördermittel für Anlagen in dieser Größe gibt es nicht und die Kosten sind zu hoch um sie selbst zu finanzieren.

Das ist etwas, was alle Traktoren gemeinsam haben, denn bis auf einige Pilotprojekte fahren sie mit Diesel – nicht sehr nachhaltig. Und auch sehr teuer.

Er erzählt aber auch von einem weiteren Kollegen, der seine landwirtschaftlichen Maschinen wie Pflug und Egge von Pferden ziehen lässt.

Das geht aber nur auf Betrieben, die genug Arbeit für die Tiere haben, denn diese müssen täglich gefordert sein. Sein Betrieb ist zu klein, es würde sich nicht lohnen.

Zu guter Letzt bietet der Standort auch genug Platz für die Ideen anderer. Denn Thomas Schumacher ist bei Neuem gern dabei und solange ein Projekt ernst gemeint ist, bietet er gerne die Ressourcen an, die er hat.

Mit der Fähre von Meersburg nach Konstanz
Über einen Feldweg geht es in die "Wildnis"
Die Stadt ist ganz nah
Hinter den Bäumen versteckt liegt das Wohnhaus
Die großen Fenster geben ein Gefühl von Natur
Thomas Schumacher & Ute Elise Paluch, mit Hofhund
Neben dem Wohnhaus steht der mobile Hühnerstall
Mehr Idylle geht nicht
Hühnerstallvorhang
Essen gibt's!
"Pavarotti" ist der Hahn in der Truppe
Die Nachzucht
Für's Foto mal ganz traditionell
Die Beete des Lernbauernhofs
Die Beete des Lernbauernhofs
Noch in Arbeit; die Bienenweide
Der Offenstall bietet die Möglichkeit, sich frei zu bewegen
Hinterwälder beim fressen
Beeindruckende Hörner
Jeder, wie er mag
Jung und alt zusammen
Sehr neugierig!
Noch viel neugieriger!
Girgentana Ziege in ganzer Pracht
Cheese 😀
Richtig ziegisch
Tiroler Haubenhühner
Eine prächtige Haube
Tiroler Haubenhühner
Jedes Tier hat seinen Charakter
Auf Augenhöhe
Pavarotti stolziert und wacht
Hinter dem Stall ist die Mistplatte zu erkennen
Yoga für Kühe?
Nur Heu und Gras gibt es für diese Kühe
Wer kommt denn da?
Ich fresse doch lieber weiter
Jedes Tier hat seine Ohrmarken zur Identifizierung
Wir verabschieden uns wieder
Das Haus verschwindet
Die Wildblumen haben Zeit, sich auszusäen
Nur zwei mal im Jahr wird gemäht
Auf dem Hinweg noch aktiv am grasen
Wird hier entspannt
Thomas ruft die Kühe für unser Fotoshooting
Sehr gemütlich geht es auf den Weg
Der hat ja gar nichts leckeres!
Die Bäume bieten den Tieren Schutz
Schon sind wir wieder im Wohngebiet
Im Hintergrund die Häuser
Studentenwohnheime
Und schon zurück im urbanen Dickicht
Die Fähre legt in Meersburg ab

Unser Fazit

Landwirtschaft ist kein Zuckerschlecken, das war mir auch schon vor diesem Interview klar. Wie viel Arbeit die einzelnen Akteure jeden Tag aufbringen, das muss ich mir regelmässig neu vor Augen führen, um mir darüber jedes mal neu bewusst zu werden. Es braucht eine große Portion Leidenschaft und Idealismus um Landwirt zu werden. Das schlägt sich auch im Betrieb nieder: die einzelnen Personen prägen ihn sehr stark. Dabei hat es sich stark gezeigt, dass nicht nur der Betrieb für uns spannend ist, sondern auch die Biografien der einzelnen. Was treibt sie an, dass sie nach Jahrzehnten immer noch ein solches Leben als Geschenk ansehen?

Faszinierend war, wie vielseitig die Arbeit und die Aufgaben sind. Und wie stark sich dieser Beruf, einer der ältesten der Menschheit, immer noch weiter entwickelt und vor welchen Herausforderungen er steht. Dass das Einkommen der meisten Betriebe zu 50% aus Förder und Ausgleichszahlungen besteht legt nahe, dass der Ertrag aus Lebensmitteln nicht direkt im Zusammenhang mit dem steht, was der Landwirt dafür bekommt.

Wenn vor allem große Flächen gefördert werden, zerstört dies auf Dauer unsere Kleinbäuerliche Struktur und damit auch unsere Landschaft – denn auf riesigen Flächen werden keine Streuobstwiesen angebaut. Der Zusammenhang von Lebensmitteln und dem, was wir dafür ausgeben, wird unter anderem durch das Modell der “Solidarischen Landwirtschaft” greifbarer und macht den Landwirt auch von den Ausgleichszahlungen unabhängiger. Diesen Modell möchten wir uns in Zukunft auch näher widmen.

Damit die Entwicklung nicht nur in eine Richtung mit industrieller Auswirkung geht, sind auch wir als Verbraucher gefragt, uns stärker zu engagieren und dort zu kaufen, wo eine biodiverse Landschaft wie wir sie uns wünschen unterstützt wird.

Wie geht es weiter mit Yes! We Can Farm?

Für uns von Yes! We Can Farm ist klar, dass dies nicht unser letztes Porträt ist. Die Arbeit daran ist langwierig und es gibt viel für uns zu lernen, da weder ich, Malchus, noch Frederik aus der Landwirtschaft kommen und auch Journalismus nicht gelernt haben. Aber unsere Neugier und unsere Motivation, an der Welt etwas zu ändern, eine engere Verbindung zwischen den Konsumenten und den Produzenten zu schaffen treibt uns an. Und nicht zu vergessen, dass wir hiermit zeigen wollen und können(!), dass sich Landwirtschaft lohnen kann. Unser Name ist Programm: Yes! We Can Farm.

PS: Falls ihr einen interessanten Hof kennt – her damit!

 

 

Den Haettelihof findet ihr virtuell unter www.haettelihof.de

und in der echten Welt unter folgender Adresse

Hættelihof
Thomas Schumacher & Ute Elise Paluch
Mainaustr. 185
78464 Konstanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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