Lohnt sich Facebook für Landwirte?

In Deutschland nutzen nur sehr wenig landwirtschaftliche Betriebe Facebook oder andere Social-Media Kanäle für ihre Kommunikation und ihr Marketing. Wenn sich die meisten schon allgemein mit der Vermarktung schwer tun und zögern, neue Produkte oder Vertriebsvarianten auszuprobieren, dann wundert es nicht, dass solchen Plattformen mit noch mehr Skepsis begegnet wird. Denn nicht jeder ist als Fotograf, Texter oder generell als Social-Media-Manager geboren. Und Geld dafür auszgeben, wenn schon die eigenen Angestellten kaum bezahlt werden können, steht meist außer Frage. Dabei ist es gar nicht so schwer und kostet auch nicht so viel Zeit, wie es auf den ersten Blick scheint.

Ach was, Marketing ist in der Landwirtschaft ganz allgemein ein Stiefkind!

Warum? Aus zwei Gründe: Der Nutzen erschließt sich nicht und es fehlen die Fähigkeiten, wodurch das Marketing in der Prioritätenliste ganz weit nach unten sinkt. Kleines Beispiel gefällig? Die meisten Unternehmen aus anderen Bereichen würden sich freuen, in einem Blog oder in der Presse erwähnt zu werden. Nicht jedoch Landwirte, denn die antworten auf meine Anfrage bezüglich der Recherche für diesen Artikel einfach gar nicht, obwohl wir sie gerne mit Verlinkung erwähnen würde. Dass es aber auch anders sein kann und Pressearbeit einen Nutzen bringen kann, zeigen wir Ihnen anhand von einigen Beispielen aus den USA, die Facebook sehr erfolgreich nutzen:

Die Polyface Farm von Joel Salatin

Polyface Farm Facebook Screenshot
Joel Salatin betreibt in Virginia, USA die Polyface Farm. Diese ist durch ihre unkonventionellen Methoden bekannt geworden. Die Hühner leben in mobilen Ställen, auf Flächen auf denen zuvor die Rinder gegrast haben, wobei sie jeweils nur für wenige Tage auf einem kleinen, begrenzten Gebiet grasen. So bleibt das Gras immer kurz und frisch – denn Kühe wollen ja kein „Altersheim-Gras“, wie Salatin es nennt. Bis zu 17% des Futters können sich die Hühner aus den Insekten, die im Kuhmist aufwachsen, selbst holen, was Kosten spart. Desweiteren hält Salatin Legehennen, Schweine, Truthähne und Kaninchen. Seine Produkte verkauft er hauptsächlich im Direktvertrieb und an Einkaufsgenossenschaften, aber auch an Bäckereien und Restaurants. Durch seine Bücher, Vorträge und Fernsehauftritte ist die Farm weltbekannt geworden, was er durchaus auch für die Vermarktung seiner Produkte nutzt.

Das Urban Homestead der Dervaes Familie

Social Media View of the Urban Homestead
The Urban Homestead“ ist eine urbane Farm im sonnigen Kalifornien, USA. Auf einer Fläche von ca. 400 Quadratmetern baut die Familie hochwertiges Feingemüse und Früchte an und produziert weitere Erzeugnisse wie Honig und Eier. Dies verkaufen sie an Restaurants, wie auch an Endverbraucher durch ihren „Hofladen“. Zusammen mit dem Verkauf von Gartenbedarfsartikeln erwirtschaften sie damit über 20.000$ pro Jahr. Auf den ersten Blick klingt das nach nicht viel, da die Familie im warmen Kalifornien jedoch kaum Energie verbraucht (gekocht wird mit einem Solarkocher, …), das Haus bezahlt ist und die Lebensmittel aus dem Garten kommen, sind sie damit sehr zufrieden. Bekannt geworden sind sie durch die informativen Beiträge in ihrem Blog, der auch zu mehr Online-Shop Kunden führt.

Green City Acres von Curtis Stone

 Green City Acres Facebook Screenshot
Curtis Stone und seine Farm „Green City Acres“ sind nicht nur durch seine zahlreichen informativen YouTube Videos, Blogbeiträge oder sein Buch „The Urban Farmer“ bekannt, er ist auch ein richtiger Farmer. 2012 hat sein Betrieb auf unter 4000 Quadratmetern über 25.000 Kilogramm an biologisch angebauten Lebensmitteln produziert, die er an lokale Restaurants und auf dem Bauernmarkt verkauft. Dabei hat der Anbau nur 80 Liter Diesel gebraucht, wie er stolz sagt. In seinem Online-Kurs erklärt er, wie man eine Farm auf gepachtetem Land starten kann, welche Produkte sich gut verkaufen, wie er sie anbaut und wie man sch gut vermarktet – das beste Beispiel dafür ist ja er selbst!

Growing Power von Will Allen

Growing Power Facebook Screenshot
Growing Power“ ist eine gemeinnützige Organisation, die es allen Menschen möglich machen möchte, Zugang zu gesunden, frischen und bezahlbaren Lebensmitteln zu bekommen. Seit 1993 haben sie durch die Farm, auf welcher sie praktisch zeigen, wie der Anbau von Lebensmitteln auch auf kleinen Flächen möglich ist, eine Gemeinschaft aufgebaut, die mittlerweile Ableger an mehreren Orten in den USA hat. Der Fokus liegt auf drei Bereichen: dem Weitergeben von Methoden, der Bildung und technischen Assistenz sowie der Produktion von Lebensmitteln.

Keiner dieser Betriebe ist ein ganz „normaler“ Betrieb. Jeder von ihnen ist in seiner Ausrichtung und Außendarstellung besonders – und deshalb erfolgreich. Denn wie soll man sich herausheben, wenn man normal ist? Diese Ausrichtung wird gefüttert durch eine klare Vision und einen Faktor, der motiviert. Jeder dieser Betriebe weiß, warum und wofür er existiert und wie er diese Vision umsetzt. Was alle vereint ist, dass sie sich nicht nur auf eine einzige Einkommensquelle verlassen.

Warum also Social-Media?

Diese Betriebe eint nicht nur, dass sie mehrere Einkommensquellen haben. Zwei weitere Eigenschaften haben sie alle gemeinsam: Sie vermarkten ihre Produkte größtenteils im Direktvertrieb und verbreiten Informationen darüber, wie jeder es ihnen – im kleinen oder großen Rahmen – nachmachen kann. Sie appellieren an den Wunsch der Menschen, die eigenen Lebensmittel teilweise selbst anzubauen oder daran zumindest teilzuhaben. Und dieses Teilhaben geschieht unter anderem durch die Kommunikation über Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und viele weitere Plattformen, auf denen die Konsumenten direkt mit den Erzeugern in Kontakt treten können. Dass diese Informationen und die damit verbundene Arbeit nicht nur dazu dienen, dass andere Menschen mehr Wissen erlangen, sondern auch dazu, dass mehr Produkte, also Lebensmittel, aber auch Bücher, Vorträge und Kurse verkauft werden, sollte dabei eine Selbstverständlichkeit sein.

Warum also Landwirte einen Facebook-Account pflegen, ist ersichtlich: Es bringt mehr Kunden und bindet diese auf längere Sicht, da sie einen Einblick in das Unternehmen bekommen und sich stärker mit diesem verbunden fühlen.
Ob und für wen sich das ganze lohnt, ist eine weitere Frage.

Für wen lohnt sich eine Social-Media-Präsenz wirklich?

Ganz allgemein kann man nie vorher sagen, ob es sich lohnt. Wirklich wissen kann man es nur, wenn man es richtig, also nicht nur halbherzig, ausprobiert.

Dabei ist es weniger wichtig, wie groß ein Betrieb ist. Vielmehr ist es wichtig, dass dieser seine Produkte direkt an den Endkunden vertreibt, eine Geschichte zu erzählen hat, hinter seinem Unternehmen steht und seine Kunden gerne einbinden möchte.

Es sollte jedoch auch klar sein, dass sich die geleistete Arbeit nur indirekt in Verkäufen niederschlägt. Denn wie kann man verfolgen, ob ein Kunde im Hofladen gekauft hat, weil er online gesehen hat, dass die ersten Kartoffeln geerntet werden? Das geht nur bei Online-Einkäufen oder bei Veranstaltungen, auf die nur online hingewiesen wird. Der wirkliche Marketing- und Imageeffekt wirkt sich langfristig aus.

Eine weitere Frage ist, ob die eigenen (potentiellen) Kunden sich auf den geläufigen Social-Media-Kanälen aufhalten. Gerade Käufer von biologisch angebauten Lebensmitteln haben eine gewisse Skepsis gegenüber den großen Datensammlern wie Facebook, Google+ und Konsorten – zu Recht! Und natürlich sollte man mit seinen Daten (und denen anderer) auch sehr vorsichtig umgehen. Dennoch zeigt sich an den Beispielen oben, dass man diese Kanäle auch dann nutzen kann. So bauen alle der vier Beispiel-Betriebe einen Großteil ihrer Lebensmittel mit biologischen Methoden an. Hier lohnt sich eine Marktanalyse und Umfrage.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, so haben Landwirte noch viele weitere Aufgaben als die, verallgemeinert gesagt, Produktion von Lebensmitteln. Immer weniger Menschen arbeiten in diesem Bereich, tragen aber eine große Verantwortung, weil sie viele Menschen ernähren. Anderen Menschen ihr Wissen weiter zu geben und ihnen einen Einblick in die Tätigkeiten der Landwirtschaft zu geben, also Vorbilder und Lehrer zu sein, ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die nicht entlohnt wird.  Social-Media kann man sozusagen auch als digitales Klassenzimmer verstehen.

Markststand verschiedenes Gemüse
Vom Leser zum Käufer – das zumindest ist das Ziel.

Es sind Ergebnisse, die zählen

Nichts macht weniger Spaß, als einen Account mit nur 50 Lesern zu pflegen. Bis die gewünschten Ergebnisse kommen kann es etwas dauern. Das ist ein bisschen wie mir der Saat, die man im Frühjahr sät. Das Ziel ist vor Augen. Und auch wenn man zwischendurch etwas bangt, weil das Wetter nicht mitspielt, ist klar, was man ernten möchte und wofür man diese Arbeit tut. Was zur grundlegenden Frage eines jeden Unternehmens führt: Warum? Warum mache ich Landwirtschaft? Was sind meine Werte? Was möchte ich vermitteln? Warum verkaufe ich, was ich verkaufe? Wie baue ich mein Gemüse oder wie gehe ich mit meinen Tieren um? Die Fragen, die die eigene Persönlichkeit ausmachen, sind auch die Message, die ich nach außen tragen kann. Mit einem klaren Ziel: Aufklärung, Kundenbindung, Öffentlichkeitsarbeit und mehr zufriedene Kunden.

Definieren Sie also klar Ihre Ziele.

Was möchten Sie mit Ihrer Facebook-Präsenz erreichen?
Wie viele Menschen möchten Sie erreichen?
Wie können Sie verfolgen, dass ein Nutzer zu einem Kunden wird?

Und machen Sie sich eines klar: Ein Facebook Account sollte immer nur als Ergänzung zu einem bestehenden Online-Auftritt – Ihrer Webseite – gesehen werden. Denn Facebook ist ein Tool, welches auf schnellem Konsumieren aufbaut. Immer wieder müssen neue Inhalte eingepflegt werden. Auf der eigenen Webseite stehen diese Inhalte, egal ob Bildergalerie, Artikel oder Video, für immer. Und können dadurch auf längere Sicht Besuchern ein Gefühl der Verbundenheit vermitteln.

Aus diesem Grund empfehlen wir jedem Unternehmen auch, einen regelmäßigen Newsletter zu versenden. Denn die Nutzer, die sich für diesen anmelden, bekommen die Nachrichten direkt in ihre Mailbox, die sich täglich lesen. Und sie melden sich nur dann dafür an, wenn Sie diese Nachrichten erhalten wollen. Und die Inhalte eines Facebook Kanals sind weitestgehend deckungsgleich mit denen eines Newsletters. Gleichzeitig haben Sie auf Ihrer eigenen Webseite auch viel mehr Einfluss auf den Umgang mit Datenschutz und ähnlichem.

Öffentlichkeitsarbeit ist Marketing in eigener Sache

Wie also gehe ich an diese Aufgabe heran?

Was ist meine Aufgabe?
Landwirtschaft ist mehr, als nur Getreide anzubauen oder Kühe zu melken. Ein landwirtschaftliches Unternehmen auf eine stabile Basis zu stellen und damit das Risiko zu minimieren, bedeutet oft auch, Ferienwohnungen mit Streichelzoo anzubieten, Produkte zu veredeln (wie zum Beispiel Soja-Drinks aus Sojabohnen herzustellen), Jungpflanzen zu verkaufen, oder Kurse / Workshops anzubieten. Die Geschichte und das Gefühl hinter diesem „Lifestyle“ zu vermitteln, eine eigene Marke mit Persönlichkeite aufzubauen und eine Verbindung mit den Kunden herzustellen, dabei kann eine gut durchdachte Facebook-Präsenz helfen. Kommunikation ist der Schlüssel!

Hühner Futter Bauer
Das romantische Bild vom Leben auf dem Lande – so kann es aussehen! Aber auch die anstrengende Seite kann gezeigt werden.

Welche Sprache sollte ich sprechen?

Bleiben Sie sich selbst treu und authentisch. Versuchen Sie nicht, ein Bild darzustellen, welches nicht stimmig ist. Sprechen Sie eine positive, emotionale, offene und ansprechende Sprache. Dabei müssen Sie auf die „harte Welt“ nicht verzichten. Im Bauernwiki wurden einmal Bilder von den Kadavertonnen veröffentlicht, die einfach Teil einer Schweinemast sind. Die Ehrlichkeit kommt dabei authentischer rüber, als das Klischeebild vom Hahn auf dem Misthaufen. Erzählen Sie nicht nur über den Alltag, sondern auch darüber, warum Sie Landwirt geworden sind. Stellen Sie die Menschen hinter den Produkten vor.

Als Unternehmen und Dienstleister vertreten Sie Werte. Was sind Ihre Werte und wie können Sie diese Werte als Geschichte vermitteln?

Hier sind einige Beispiele:

  • einen Lebensstil nah an der Natur zu pflegen.
  • den Tag mit der Familie verbringen zu können (nicht im Büro).
  • zu wissen, woher die eigenen Lebensmittel kommen.
  • dem Essentiellen im Leben nah zu sein.
  • der eigene Chef zu sein.
  • der Passion folgen zu können.
  • gerne mit Tieren zu arbeiten.
  • den Menschen, den Tieren und dem Land positiv dienen zu können.
  • mit den Jahreszeiten zu leben.
  • die Natur zu spüren, indem Sie jeden Tag draußen sind.
  • einer handwerklichen Arbeit nachzugehen.

Oder anders ausgedrückt:

  • Entwicklung
  • Lebensstil
  • Essentielles
  • Familie
  • Führung
  • Integrität
  • Business
  • Passion
  • Verantwortung

Nicht alle dieser Punkte sind wichtig für Sie. Manche finden Sie vielleicht auch unrealistisch oder unpassend. Das ist an dieser Stelle egal, denn es geht darum, dass Sie herausfinden, was Sie motiviert und wie Sie diese Motivation vermitteln können.

Beachten Sie, dass Sie ein Experte sind. Der Kunde hat oft eine ganz andere Vorstellung und kaum Wissen von Ihrem Thema. Was für einen selbst langweilig erscheint, ist für andere spannend, neu und manchmal auch schwer nachvollziehbar. Durch die Informationen, die wir geben, können wir das Bewusststein der Konsumenten beeinflussen. Es wird vieles Unwahres erzählt und in vielen Dokumentationen wird nur das Negative ins Licht gerückt. Durch die eigene Darstellung hat man die Möglichkeit, Dinge ins richtige Licht zu rücken und so darzustellen, wie man es möchte. Offen, transparent und ehrlich. Achten Sie darauf, eine einfach Sprache zu sprechen, die auch Nicht-Landwirte verstehen. Die Beiträge sollten positiv formuliert sein und nicht auf Kosten anderer, wie Veganer, Vegetarier oder Städter. Die Leser möchten von und über Sie und Ihren Betrieb etwas lernen und teilhaben. Bieten Sie ihnen das!

Facebook ist eine Plattform, auf der Sie positive Gespräche über Landwirtschaft führen können, sich konkret mit jüngeren Generationen auf Augenhöhe verbinden, Ihre Geschichte erzählen und Menschen für Landwirtschaft – insbesondere Ihren Begtrieb – begeistern können!
Das können Sie, indem Sie den Alltag in der Landwirtschaft, wichtige landwirtschaftliche Nachrichten und Termine, Fakten über Landwirtschaft allgemein und Feste, Workshops und andere Veranstaltungen durch Artikel, Bilder und Videos mit anderen teilen und Fragen beantworten. Eine weitere Möglichkeit bietet die Vernetzung mit anderen Betrieben und Seiten.

Dabei ist Interaktion das wichtigste um ein Wir-Gefühl hervorzurufen. Stellen Sie Fragen und versuchen sie, anderen die emotionale Seite der Landwirtschaft zu zeigen. Und antworten sie dann auf die Fragen, die als Reaktion auf Ihre Beiträge kommen – die Arbeit, die hier erbracht wird, lohnt sich! Aus diesem Grund empfehlen wir jedem Betrieb, regelmäßig Führungen und Kurse anzubieten, denn nichts ist besser, als die Wirklichkeit! Insbesondere dann, wenn Sie auch im Tourismus und Eventtourismus tätig sind.

Hühner leben gemütlich Haettelihof
Es sind die kleinen Dinge, die einen besonders machen. Der Haettelihof in Konstanz – da haben die Hühnerställe Vorhänge!

Wie fange ich richtig an?

Fokussieren Sie sich auf eine Plattform. Wir empfehlen für einen landwirtschaftlichen Betrieb Facebook und / oder Instagram.

Zunächst einmal ist es wichtig, dass Sie sich überlegen, welchen Inhalt sie hauptsächlich teilen möchten.

Planen Sie Ihre Beiträge im Voraus, so dass es ein bis zwei Mal pro Woche etwas mehr konzentrierte Zeit in Anspruch nimmt (nicht vergessen, dass Sie dennoch jeden Tag reinschauen sollten, um weiter zu kommunizieren. Der Inhalt soll im Voraus geplant werden, die Interaktion muss jeden Tag geschehen!). Diese Kommunikation sollte eine Routine sein, für die jeden Tag eine Viertelstunde eingeplant wird.

Wie oft sollte ich neue Inhalte online stellen?
Grundsätzlich ist die Frequenz Ihrer Beiträge Ihnen selbst überlassen. Der Leser  erwartet eine gewisse Regelmäßigkeite und wenn Sie weniger als zwei Beiträge pro Woche planen, wird es sich natürlich nicht ganz so auszahlen, wie ein Beitrag jeden Tag. Machen Sie es sich jedoch nicht zu kompliziert. Wenn es Ihr Ziel ist, den Alltag der Landwirtschaft zu zeigen, dann könnte das auch jeden Tag ein Bild von den Küken sein (siehe weiter unten in diesem Beitrag für konkrete Ideen).

Welche Methoden sind am effektivsten, um dieser Aufgabe nachzukommen?

  • Bilder funktionieren am besten. Dabei lassen sich gut kurze Infotexte einfügen. Diese lassen sich auch relativ einfach direkt vom Smartphone hochladen – jeden Tag ein Foto vom Arbeitsort, das wird doch gehen, oder?
  • Videos ziehen mehr Nutzer an, als nur Text.
  • Kurze, aber informative Artikel geben ein bisschen mehr Einblick. Ein schönes Beispiel dafür sind die Grundsätze der natürlichen Kommunikation mit Rindern „Low Stress Stockmanship“.
  • Kurze Interviews mit den Menschen auf dem Betrieb geben ein Gefühl der Verbundenheit.
  • Gewinnspiele bringen mehr Reichweite und Interaktion, haben aber keinen großen Informationsnutzen.

Wann kommen meine Beiträge am besten an?
Hier gilt es auszuprobieren! Generell erfolgreich ist wochentags Abends zwischen 18 und 21 Uhr, am Wochenende eher weniger, wenn aber, dann morgens zwischen 8 und 10 Uhr.

Worauf muss ich noch achten?

  • Jede geschäftliche Facebook-Page braucht ein rechtskonformes Impressum.
  • Nutzen Sie nur eigene Bilder oder solche von Plattformen, die es erlauben, Bilder auf sozialen Netzwerken zu nutzen.
  • Stellen Sie sich auf negatives Feedback ein. Seien Sie ehrlich und locker, aber lassen Sie sich nicht auf zu lange Diskussionen ein.
  • Suchen Sie sich eine Anleitung um Ihre Facebook-Seite einzurichten, Schritt für Schritt und machen Sie sich mit den Funktionen vertraut. Beiträge im Voraus zu planen erlaubt es, einiges auf einen Schwung zu erledigen.

Für die Recherche zu diesem Artikel haben wir mehrere Facebook-erfahrene Betriebe nach ihren Erfahrungen gefragt. Wir bedanken uns ganz herzlich beim Ökohof Stolze Kuh und dem WildnisKultur Hof – zwei nicht alltägliche Höfe – für die Beantwortung unserer Fragen:

Was bringt eine Präsenz auf Facebook Ihnen und Ihrem Betrieb?

WildnisKultur Hof: Social-Media-Präsenz ist, wenn man gerne in Kommunikation mit Menschen tritt, eine wertvolle Möglichkeit, sich auszutauschen, Gleichgesinnte zu treffen und rasch und effizient Informationen zu verteilen. Es gibt keine wirkliche Notwendigkeit, auf einer Social-Media-Plattform aktiv zu sein, wenn es der eigenen Art, zu kommunizieren, nicht entspricht. Aber, wenn man sich darauf einlassen kann, wie andere Menschen, die man gar nicht persönlich kennt, auf das Projekt, die Idee reagieren, dann ist es eine unglaubliche Bereicherung und Erweiterung des Umfeldes. Die Verbreitung und Überprüfung der Marktpräsenz erfolgt sofort, direkt und authentisch. Die Reaktionen sind zeitnah.

Stolze Kuh: Ich hab noch keinen Nutzen festgestellt, weil es ja keine wirkliche Rückmeldungsfunktion für Menschen, die unsere Facebook-Seite anschauen, gibt. Aber sicherlich halte ich Interessierte informiert und kann über unser Engagement (z.B. ammengebundene Kälberaufzucht vs. Ramschkälber) informieren.

Wie nutzen Sie Ihren Facebook Account?

WildnisKultur Hof: Regelmäßig für den Austausch mit Menschen zu den wichtigen Themen, die unser Projekt betreffen. Zur Meinungsbildung und zur Information. Und natürlich für das eigene Marketing. Zum Teilen und Verbreiten jener Themen, die uns wichtig sind. Und natürlich für unsere Crowdfundingaktivitäten! Wenn man ein Crowdfunding startet, ist ein guter Social-Media Plan auf unterschiedlichen Plattformen (und je nach der eigenen Zielgruppe) unerlässlich und steigert natürlich die Reichweite.

Stolze Kuh: Ich teile Videos, die ich informativ finde und ab und an Veranstaltungen. Da wir noch keinen schnellen Internetanschluss im Dorf haben, ist das ganze begrenzt.

Konnten Sie durch Ihre Facebook-Präsenz neue Kunden gewinnen?

WildnisKultur Hof: Ja, natürlich und mit ganz vielen verbindet uns inzwischen eine persönliche Freundschaft. Allerdings ersetzt die Facebook-Präsenz in keinem Fall den direkten Kontakt zur Zielgruppe – es ist nur eine Möglichkeit mehr, mit der eigenen Zielgruppe rascher in Kontakt zu kommen.

Stolze Kuh: Noch nicht wirklich.

Wie viel Arbeit ist als Minimum nötig, wie viele Stunden benötigt Ihr Facebook Account momentan – und inwiefern rentiert sich die Arbeit?

WildnisKultur Hof: Social-Media bedeutet Arbeit in geleisteten Stunden – es geht nicht von selbst oder nebenbei. Ein gepflegter, interessanter Seitenaccount braucht sicherlich 1- 1 ½ Stunden am Tag. Es rentiert sich insofern, in dem man wirklich weltweit wahrgenommen wird – wir erhalten Rückmeldungen von Menschen rund um den Globus. Das ist es immer wert!

Stolze Kuh: Ich schau zweimal pro Woche aus privatem Interesse rein und teile vielleicht alle 14 Tage etwas auf unserer Betriebsseite.

Wie reagieren Sie auf negatives Feedback?

WildnisKultur Hof: Es gibt kein wirklich negatives Feedback. Es gibt nur andere Meinungen. Jede Meinung ist willkommen. Und manche Menschen sehen Dinge eben anders. Offen sein, damit umgehen, Antwort geben und in letzter Konsequenz regulierend eingreifen. Aber sicher keine Angst haben oder gar nicht reagieren!

Stolze Kuh: Das finde ich schwer zu ertragen, vor allem von der veganen Seite, die nie zufrieden ist. Aber ich übe mich, es zu ignorieren und das positive Feedback im Kopf zu behalten.

Was hat gut funktioniert?

WildnisKultur Hof: Gut ‚funktionieren‘ unsere regelmäßigen Informationen zur landwirtschaftlichen Situation, Berichte über Neues am Hof, über unsere Tiere und natürlich kurze Videos über Aktuelles. So richtig ‚live‘ und niederschwellig. Wir posten oft Workshop-Angebote und Menschen tragen sich dann direkt auf unserer Website ein. Auch das Verteilen der Newsletter-Funktion unserer Website auf facebook bringt immer wieder Interessenten. Fotos sind natürlich auch immer gefragt, gerade zum Thema Natur und Landwirtschaft.

Stolze Kuh: Der Presseartikel über unseren Hof wurde 2000mal angeklickt. Sonst hab ich durchschnittlich eher 200-400 Aufrufe.

Was haben Sie dabei gelernt?

WildnisKultur Hof: Dass viele Menschen an unserem Projekt wirklich interessiert sind, dass wir Mut geben und Menschen durch unsere Vorbildwirkung Neues zu wagen. Social-Media ist eine Marketingmöglichkeit und bedeutet gleichzeitig auch viel persönlichen Einsatz zur Zielgruppe.

Stolze Kuh: Süße Bilder zählen mehr als Worte!

Was würden Sie anderen raten, in Bezug auf Facebook Marketing?

WildnisKultur Hof: Ganz ganz wichtig ist, dass man persönlich und emotional erreichbar ist, auf Anfragen reagiert und auch antwortet. Das Zauberwort heißt INTERAKTION – Social-Media ist KEINE Einbahnstraße! Nur, wenn man bereit ist, mit den Menschen auf einer Social-Media Plattform in Austausch zu treten, wird das Marketing dort auch gelingen. Social-Media geht nicht ‚nebenbei‘ oder ‚rasch mal irgendwie‘, es bedeutet, authentisch zu kommunizieren.

Stolze Kuh: Ich bin schon kritisch gegenüber Facebook und würde nicht zu viel Privates auf dieser Plattform teilen, sondern eher versuchen, die Leute auf unsere Webseite zu locken.

Der WildnisKultur Hof ist online viel unterwegs; neben der WildnisKultur Hof Webseite gibt es eine Facebook-Page, sowie Profile auf Instagram und Pinterest. Die Crowdfunding-Kampagne „Bau mit uns ein Tiny House!“ wurde von Michaela Schmitz / backofficeandmore unterstützt.

Der Ökohof Stolze Kuh schreibt auf der eigenen Webseite und auf Facebook über viele spannende Themen.

Brainstorming für Beitragsideen – Beispiele

Termine:

  • Event
  • Ankündigungen
  • Workshops
  • Tag der offenen Höftür
  • Tag des Bodens
  • Tag der Artenvielfalt
  • Führungen
  • Verköstigungen
  • Aktionen im Hofladen
  • Gemeinsame Ernte
  • Schlachttag-Fleisch-Vorbestellunge

Jahreszeiten im Rhythmus:

  • Wie sehen das Land und die Tiere im Verlauf der Jahreszeiten aus? Winter, Frühling, Sommer und Herbst
  • Wann passiert die Ernte und wie?
  • Wann keimt die Saat?
  • Welchen Einfluss hat viel Regen?
  • Einsätze bis tief in die Nacht
  • Wann werden welche Tiere geboren?
  • Wie verhalten sich Kühe, wenn sie nach dem Winter wieder auf die Weide dürfen?
  • Welche Obstsorten gibt es auf der Streuobstwiese?

Alltag:

  • Wann wird aufgestanden?
  • Wie wird der Tag geplant?
  • Welche Faktoren bestimmen die Prioritäten?
  • Was ist schön am Alltag?
  • Wer arbeitet mit?
  • Worauf wird sich besonders gefreut?
  • Welche Missgeschicke geschehen?
  • Wie kann man einem Landwirt eine Freude machen?
  • Was bedeutet es für einen Landwirt, Tiere zum Schlachthof zu fahren?
  • Welche Neuanschaffungen gibt es, und warum?
  • Wie sollen die neuen Kälber genannt werden?
  • Wie laufen Neubauten / Umbauten?

Politisches / Aktionen:

  • Demonstrationen
  • Entscheidungen der Politik
  • Milchpreise
  • Ressourcenknappheit
  • Kükentötung – Aktion Bruderhahn
  • Zeitungsartkel
  • Lebensmittelverschwendung / Reklamationen vom Großhandel
  • Züchtungsfortschritte im ökologischen Landbau
  • Neue Wege in der Tierhaltung
  • Crowdfunding / Crowdinvesting

Wie:

  • Wie wird etwas geerntet?
  • Wie lange bleiben Kälber bei der Mutter?
  • Was wird gefüttert?
  • Warum müssen Schafe geschoren werden und was passiert mit der Wolle?

Tipps:

  • Leckere Rezepte
  • Ausflugsziele aus der Region
  • Natürlicher Pflanzenschutz
  • Mischkultur

Besonderheiten:

  • Sonderkulturen – warum Lupinen, Sojabohnen, Elefantengras, Gerstengras, …?
  • Warum gerade Hinterwälder-Rinder?
  • Wie kommt man darauf, Käse aus Elchmilch herzustellen?
  • Was ist das besondere an Vorzugsmilch?
  • Wie werden Straußeneier gewaschen?

Produkte:

  • Wo gibt es die eigenen Produkte zu kaufen?
  • Wie sieht der Stand auf dem Wochenmarkt aus?
  • Was lässt sich schönes daraus herstellen?
  • Was gibt es neues im (Online-)Shop?

Dass bisher kaum ein Landwirt wirklich Zeit und Geld in Marketing investiert, bedeutet nicht, dass es sich nicht lohnen kann. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass es noch relativ einfach ist, dort einen guten Platz zu besetzen. Für Direktvermarkter lohnt sich diese Arbeit umso mehr. Ein kleines Beispiel? Unter der Google-Suche „Eier kaufen Markdorf“ gibt es kein einziges passendes Ergebnis, aber sehr wahrscheinlich doch Direktvermarkter von Eiern in Markdorf – zumindest auf dem Wochenmarkt. Dabei ist Markdorf natürlich ein unbedeutendes Städtchen am Bodensee. In Ravensburg sieht es schon ein bisschen besser aus, aber mit ein wenig Suchmaschinenoptimierung steht auch eine neue Seite dort bald auf Platz eins in der Suche.

Nochmal ganz von vorn: Lohnt sich Facebook für Landwirte?

Allgemein lässt sich diese Frage nicht beantworten. Wichtiger ist die Frage, ob sich Facebook für Sie und Ihren Betrieb lohnt? Das kommt ganz darauf an, wie vermarktet wird, was produziert wird, welche Kommunikationswege bisher genutzt werden, welche Ergebnisse gewünscht werden und wie viel Zeit und Geld in weiteres – eventuell recht aufwendiges – Marketing gesteckt werden kann. Für die meisten Landwirte wird die Antwort also eher Nein lauten.

Doch wie Sie sehen, kann sich ein Facebook-Kanal oder weiteres Marketing auch lohnen. Damit das ganze auch richtig durchstartet und nicht schon wieder ein halbherziges Projekt wird, empfehlen wir, auf bewährte Methoden zurück zu greifen. Dabei unterstützt die Frederik Drewes & Malchus Kern GbR Sie gerne. Denn wir wissen, wie das geht.

Auch in den folgenden Bereichen unterstützen wir Sie gerne mit Dienstleistungen und Schulungen:

  • Marketing
    Material, Fotos, Interviews, Konzept, Marktanalyse, Umfragen, sowie Verlosungen und Produkttests über www.bio-gewinnt.de / www.facebook.com/biogewinnt
  • Online-Präsenz
    Webseite, Newsletter, Suchmaschinenoptimierung, Social-Media-Management
  • Crowdfunding-Kampagnen

Kontaktieren Sie uns unkompliziert unter contact ( at ) yes-we-can.farm!

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2 Gedanken zu „Lohnt sich Facebook für Landwirte?

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